28 Nov

Fnordwind – Das Internet und seine Bedeutung für mein Leben

Das Internet und seine Bedeutung für euer Leben / eure Lebensqualität

„Die Steinzeit war die Hölle, wir hatten nix das Leben war schwer,
fraßen Dreck, schissen ins Loch und alle rannten nackt im Wald umher.“

Knorkator – Fortschritt

Früher, [Achtung, Opa erzählt wieder vom Krieg] als ich ein Kind war, musste ich meine Eltern fragen, ob ich mir vor dem schlafen-gehen noch eine „WebSEITE“ (wir wussten es damals nicht besser) anschauen dürfte. Dann setzte sich mein Vater an den Computer und ließ das Modem einwählen. Der Zähler tickte, denn es wurde Minutenweise abgerechnet. Jede Minute Internet kostete. Nichts mit Flatrate. Und es dauerte. Und dauerte. Und dauerte. Und dann wurde die Website nicht ordentlich dargestellt und meine 10 Minuten Internet waren vorbei und irgendwie war das scheiße. Wenn sich meine Eltern (eigentlich viel mehr mein Vater) einen neuen Computer leistete, bekamen ich und mein Bruder die abgelegten Rechner. So hatte ich irgendwann meinen ersten Rechner, damals noch mit Laufwerken für verschieden große Disketten und einem Knopf mit dem man die Geschwindigkeit des Rechners einstellen konnte (ich weiß bis heute nicht, wozu das dienen sollte), aber immer noch ohne Internet.

„Doch dann kam der Faustkeil, der Flitzebogen, das Lagerfeuer.
Plötzlich war es nicht mehr ganz so doof und alle wurden immer glücklicher.„

Knorkator – Fortschritt

Irgendwann nach dem Umzug hatte ich dann einen eigenen Rechner samt Internetanschluss im eigenen Zimmer. Damit konnte ich dann für die Schule recherchieren, mich mit Freunden unterhalten und Spiele spielen. Im Prinzip also all das, was früher irgendwie auch ohne Rechner und Internet geklappt hat, nur halt irgendwie moderner und moderner war besser. Die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. Die Rechner wurden schneller und mit ihnen der Internetanschluss.

„Und heute, nach Millionen von Jahren ist alles voll mit herrlichen Sachen
und jedes einzelne wurde erfunden, um uns alle glücklich zu machen.“

Knorkator – Fortschritt

Heute ersetzen Computer und Smartphone für mich einen Großteil der klassischen Medien und Kommunikationsformen. Wo meine Eltern und Großeltern noch Regale voller Bücher in mehreren Reihen haben, habe ich einen Ordner auf dem Rechner, der geschätzte Wochen an Podcasts und Hörbüchern enthält. Früher gab es vermutlich weniger Menschen die ihre Gedanken und Geschichten veröffentlichen konnten, aber dennoch unüberschaubar viele. Heute ist es gelegentlich schwer in der riesigen Auswahl genau das zu finden, was man sucht. Vielleicht hat sich insgesamt nicht so viel geändert: früher kam ich nicht an das was ich wollte, weil es zwar existierte, aber nicht verfügbar war. Heute komme ich nicht an das, was ich will, weil es verfügbar ist, aber in der Masse untergeht. Im Endeffekt komme ich nicht immer an das, was ich möchte.

Natürlich unterscheiden sich auch hier die Geister und die Generationen und alles wird zu einem undurchdringlichen Kuddelmuddel aus Medien, Menschen und Meinungen. War es nicht früher auch so? Ein neues Medium verbreitet sich, die einen frohlocken, die anderen malen den Teufel an die Wand. Buchdruck, Rundfunk, Internet.

„Darum hören wir jetzt alle auf zu meckern, zeigen lieber etwas Dankbarkeit.
Genießen still dieses Privileg für immer in Glück und Zufriedenheit!„

Knorkator – Fortschritt

Obwohl ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der das Internet noch in seinen Kinderschuhen steckte, ist es mittlerweile für mich nicht mehr wegzudenken. Am deutlichsten bemerke ich das, wenn mein WLAN-Router plötzlich kein Internet mehr verteilt. Er ist dann zwar noch im Netzwerk und lässt sich darüber neu-starten, lässt mich aber nicht mehr ins Internet. Während ich also vor meinem Computer sitze und darauf warte, dass der Router wieder seinen Dienst tut, welcher Gedanke kommt mir da? Klar „Ich könnte ja mal nachschauen, was es neues bei [irgendein beliebiger Service im Netz] gibt.“ Wenn ich wach genug bin, denke ich den Gedanken meist nicht mal zu ende, bis ich merke, dass ich da einen Logikfehler habe. Dann frage ich mich, was ich in den 2 Minuten machen könnte, bis ich wieder verbunden bin. Eine Leere macht sich breit. Wie Wartezeit bei Behörden fühlt es sich an. Und was mache ich dann nach diesen unendlich langen 2 Minuten? Videos schauen oder Nachrichten in sozialen Netzwerken lesen. Wenn ich motiviert bin produziere ich auch mal selbst etwas, wie zum Beispiel diesen Text. Alles in allem beläuft sich die produktive Nutzung aber nur auf 30%, sehr großzügig geschätzt. Das ist auch vollkommen o.k. so. Das Internet ist mittlerweile ein Teil unserer Realität und die besteht, egal ob mit oder ohne Internet, nicht nur aus Arbeit sondern auch aus Entspannung, Ablenkung und sozialem Umgang. Ich wage zu behaupten, dass sich die Inhalte, die wir konsumieren weniger gewandelt haben, als ihre Macher und ihre Verbreitungswege. Für mich ist das Internet zum festen Bestandteil meines Lebens geworden, und das ist auch gut so. Was hab ich denn schließlich für eine Wahl?

Alle als Zitat gekennzeichneten Passagen stammen aus dem Lied „Fortschritt“ von Knorkator, erschienen 2014 auf dem Album „We want Mohr“, Shop der Band.

28. November 2014 17:03
avatar elektrobier

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