08 Nov

WE ARE THE NEW OLD ONES

FAHNENFLÜCHTIG

 

 

„There’s a time when the operation of the machine becomes so odious, makes you so sick at heart, that you can’t take part, you can’t even passively take part, and you’ve got to put your bodies on the gears and upon the wheels, upon the levers, upon all the apparatus, and you’ve got to make it stop! And you’ve got to indicate to the people who run it, to the people who own it, that unless you’re free, the machine will be prevented from working at all!“

Mario Savio – Bürgerrechtsaktivist

„Es gibt eine Zeit, in der der Lauf der Maschine so verabscheuungswürdig wird, einen so krank im Herzen macht, dass man nicht mehr mitmachen kann, auch nicht passiv, und man muss seinen Körper in das Getriebe werfen und die Hebel der Maschine blockieren, den ganzen Apparat, und man muss sie stoppen! Und man muss den Leuten, die sie am Laufen halten, die sie besitzen, zeigen, dass, solange man noch nicht frei ist, die Maschine am Funktionieren gehindert werden wird.“

 

In jeder Generation gibt es Menschen, die für oder meist gegen etwas kämpfen. In der Generation meiner Großeltern kämpfte man unter anderem gegen „den Russen“ und danach gegen „den Klassenfeind“. In der Genration meiner Eltern kämpfte man zuerst gegen „den Klassenfeind“ und dann gegen den eigenen Staat. In meiner Generation – gegen was kämpft man da? Ungerechtigkeit! Gegen Ungerechtigkeit kann man immer kämpfen. Die Frage ist, was ist ungerecht? Eine objektive, also für alle Menschen gültige Definition von Ungerechtigkeit gibt es nicht, denn jeder Mensch hat ein eigenes Ideal der Welt, die er als gerecht empfindet. Während die einen eine Sache als überaus gerecht, sogar als nötig empfinden, schüttelt man als Außenstehender oft ungläubig den Kopf darüber. Terroristen töten Menschen. Soldaten töten andere Soldaten. Soldaten töten Zivilisten. Irgendwie kann man jede Handlung rechtfertigen, wenn man es nur will. Was der eine als gerecht empfindet, bedeutet für den anderen den sicheren Tot. Leider ist die Menschheit nicht fortgeschritten genug, um in Frieden zu existieren. Vielleicht ist das auch gar nicht möglich. Evolution heißt, dass der am besten an die aktuellen Verhältnisse angepasste sich auch am meisten vermehrt. Wer seine Ansprüche am besten geltend machen kann, dem gehört die Welt. Es läuft dabei auf ein Gegeneinander hinaus. Das miteinander, oder wenigstens friedlich nebeneinander, bleibt dabei zurück. Wir brauchen also eine für alle verbindliche Definition, wie man kein Arschloch ist. An dieser Stelle stecken wir quasi schon bis zum Ellenbogen im Philosophiebrei, dann können wir auch gleich einen der alten Philosophen zu Rate ziehen: Immanuel Kant. Der sagt (etwas verkürzt): „Du sollst so handeln, wie du dir wünscht, dass alle anderen auch handeln.“. Ein praktisches Beispiel: wenn du es echt nicht cool findest, wenn irgendeine Arschkrampe die Feuerwehrzufahrt zuparkt, dann solltest du gefälligst selbst auch nicht anderen Leuten die Feuerwehrzufahrt zuparken. Das lässt sich hochskalieren bis zum NICHT-töten von Menschen. In den Extremfällen ist das allen verständlich (z.B. Du sollst nicht töten.) und wir bezeichnen Menschen oft als geisteskrank, zumindest als gestört, wenn sie sich nicht an solch grundlegenden Vereinbarungen halten. Im Alltag sieht es da anders aus. Jeder Mensch, der sich schon aktiv im Straßenverkehr bewegt hat, kennt Situationen in denen er andere Verkehrsteilnehmer für ihre regelwidrigen und idiotischen Handlungen an liebsten von der Straße putzen möchte. Hier fehlt es dem einem wie dem anderen an Einsicht und Einfühlungsvermögen und Gelassenheit. In den meisten Fällen kennen wir nicht die genauen Beweggründe anderer Menschen (wie auch?) und projizieren unsere eigenen Erfahrungen und Werte auf Situationen, um diese irgendwie einzuordnen. Aus unserer Perspektive sind wir dann im Recht und die anderen eben nicht.

Wir können aber auch keine Abhilfe schaffen indem wir unseren Standpunkt beim kleinsten bisschen Widerstand verlassen. Denn „Wenn der klügere immer nachgibt, regieren irgendwann die Idioten.“ Was tun also? Ich plädiere für die Einführung eines chaotischen und damit gerechten Prinzips. Wann immer zwei Meinungen aufeinandertreffen, werfe man eine Münze um zu bestimmen, wer im Recht und wer im Unrecht ist. Moment … ist auch nicht wirklich gerecht und unpraktikabel noch dazu. Ach Mist! Ich krieche jetzt in meine Denkerhöhle melde mich wieder, sobald ich das Problem gelöst habe.

Und bis dahin, immer schön auf die Zirbeldrüse achten!

Dieser Artikel erscheint im Rahmen des Projekts Blogideekasten von Dela und Nick Lange. Alle zwei Wochen werden Artikel zu einem zufällig ausgewählten Thema von einem Haufen Internetmenschen (und auch mir erscheinen). Die gesammelten Artikel werden dann bei Fahnenflüchtig gesammelt.

8. November 2014 18:57
avatar elektrobier

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